
Nach anderthalb Stunden Zugfahrt zu zehnt nach Kloten und einer Stunde warten auf Bernhard B., ein Neumitglied, bemerkte beim Einchecken plötzlich einer von uns (Ueli!), dass er zuhause irrtümlicherweise den falschen Pass eingesteckt hatte, nämlich den seiner Frau. Nach kurzer Aufregung und einem Telefonat mit seiner Frau und der Überlegung, ob Sohnemann den Pass innert zwei Stunden mit dem Auto zum Flughafen bringen könnte, erklärte eine Mitarbeiterin der LOT-Fluggesellschaft sich bereit, für Fr. 100.- einen Not-Pass anzufertigen!
Der zweistündige Flug Richtung Nordosten über Prag hinweg nach Warschau, und der dreistündige Weiterflug Richtung Südosten nach Tiflis, Georgien, war einmal mehr mühsam.

Georgien
Wir landeten am Sonntagmorgen um 5 Uhr. Wir wurden von Kate, der Präsidentin der FFI* Georgien und ihrem behinderten Sohn Buka am Flugplatz abgeholt. Nach Währungswechsel (Lari) stiegen wir in eine Art hochmodernen Party-Kleinbus mit vollautomatischen Türen und Beleuchtung und verdunkelten Fenstern (dieser Bus wird uns zwei Wochen treu bleiben!). Das Gefährt verfrachtete uns beide in ein Hochhausviertel von Tiflis, das aus der Perestroika-Zeit stammt, und neben dem die Bauten der Banlieux von Paris geradezu gut aussehen. Allerdings kann man hier unbeschwert umherspazieren, ohne Angst, angepöbelt oder gar überfallen zu werden!

Zwar haben wir hier einen Lift mit Münzautomat! Er ist aber so alt und eng, dass es sogar mir bange ums Herz wird beim Einsteigen. Das erste von 10 Stockwerken muss man sowieso zu Fuss hinaufsteigen, und oben angekommen muss man ein halbes Stockwerk auf 0 absteigen!
Ich bin mal das Treppenhaus hinunter gelaufen, aber viele Tritte haben unterschiedliche Höhen, sodass ich mich voll konzentrieren musste, um nicht ständig zu stolpern. Die Handläufe am Treppengeländer sind lose, krumm und rostig, oder sie fehlen ganz einfach! Und überall hangen provisorisch zusammengeschraubte und sogar geknüpfte alte Telefon- und Elektroleitungen. Die Wände sind verkratzt und verschmiert, aber trotzdem fühle ich mir hier in dieser Gegend wohl, die Leute sind freundlich.



Am dritten Tag fahren wir nach Gori, dem Geburtsort Stalins, aber zuerst haben wir die alte Höhlenbewohnerstadt besucht, doch ausgerechnet der Besuch im Stalinmuseum wurde leider wegen mangelndem Interesse abgesagt! Das Gros der Georgier hasst die Russen, sie waren von 1920 bis 1990 unter Ihrem Einfluss! Stalin scheint hier um eine Dimension brutaler und rücksichtsloser als Hitler gewesen zu sein. Stalin war Hitlers grosses Vorbild!
Wir besuchten die prähistorischen Höhlenbewohner, ethnologische und Ballenberg-ähnliche Museen und, verkamen dabei immer mehr zu “regular tourists”. Wir standen mit unserer zwölfköpfigen Gruppe hinter einer Gruppe Südkoreaner, und hinter uns warteten schon Deutsche, um unseren zukünftigen Guide zu übernehmen. Zum Mittagessen gibt es meistens ein Gestürm darüber, wer was zahlt und wie viel Trinkgeld zu zahlen fällig wäre.
Wir waren heute, am fünften Tag, im Kaukasus, 160 km nördlich von Tiflis, über die Hauptverbindung mit Russland auf 2500 m, die vor 25 Jahren wieder eröffnet worden ist. Es gibt hier 4–5000er, einer davon gleich nebenan: Kasbek, ein Grenzberg, 5034 m hoch!
Es gibt einen Berg,
der in die Wolken stösst
Und den kein Gefährte erreicht.
Der Kasbek,
der König des Kaukasus,
Hüllt einsam sich in sein Purpurkleid
Weil auf diesen höheren Bergen der Schnee später wegschmilzt, führen die Flüsse hier das ganze Jahr hindurch genug Wasser! Entlang dieser Fernstrasse gibt‘s darum auch viele Riverrafting Camps.
Gestern Abend haben wir gesehen wie die Schweiz gegen Serbien gewonnen hat, und damit ziemlich sicher in die Viertelfinals kommt, und heute haben wir einen freien Tag, um Tiflis auf eigene Faust zu erkunden! Da habe ich beim Busfahren meine Portemonnaie verloren.
Am Nachmittag während unserer gemeinsamen Siesta klopfte es plötzlich ziemlich heftig an unsere Schlafzimmertür. Unsere Gastgeberin, die gleichzeitig Präsidentin und Finanzministerin der FFI ist, kam ganz aufgeregt ins Zimmer mit einer Muslim Frau im Schlepptau, die uns ein paar Stunden zuvor im Bus vom Zentrum hierher geholfen hat mit dem Ticketautomaten, weil sie die einzige war, die Englisch konnte. Sie hat auf meinem Platz ein Portemonnaie gefunden, als sie ein paar Stopps später ausstieg. Da wir sie im Bus gefragt hatten, wo wir aussteigen sollten und ihr deswegen unsere Adresse gezeigt hatten, wusste sie wo wir wohnten, und hat unten im Block gefragt, ob die wüssten wo die zwei Touristen zu finden seien. Ich hatte meinen Verlust noch gar nicht bemerkt! Es waren nur € 250.- und etwas örtliches Kleingeld drin, wovon ich 20% Finderlohn abgegeben habe! Da habe ich mal wieder sehr grosses Glück gehabt⁉️

Kutaissi im Westen, 3000 Jahre alt, ist die zweitgrösste Stadt Georgiens (200.000 Einwohner!), und schiffbar bis zum Schwarzen Meer, lag auf der Karawanenroute Hellas — Indien und wurde im Jahre 978 Hauptstadt. Es folgten 150 Jahre Wachstum; z.B. war die grösste Kathedrale des Landes bereits 1003 fertig erbaut = schon 1015 Jahre voll in Betrieb! In der Stadt gibt es viele interessante orthodoxe Klöster und Museen.

Ganz in der Nähe befindet sich die Prometheus Höhle. Ein zwei Kilometer langer Gang über einen schmalen, betonierten Fussweg mit vielen auf und nieder gehenden Treppen inmitten ganzer Wälder von herunter hangenden Stalaktiten und ihren empfangenden Stalagmiten, bei hoher Luftfeuchtigkeit und farbiger Beleuchtung, machten einen überirdischen Eindruck. Durch gewaltig grosse und kleine Höhlen, verbunden durch enge Durchgänge. Die letzten 500 Meter ging‘s mit einem 20 Personen Schiff bis zum Höhlenende.

Die Schlacht am kalten Buffet
Der nächste Halt war in Bordschomi, im ehemaligen Sommerschloss der Romanows, das jetzt Palace Hotel**** heisst, und das beste Spa-Hotel in der Stadt ist, mit Innen- und Aussenschwimmbad. Das Dinner Buffet war ab 19.00 Uhr angesagt in einem riesigem Essaal, wo über 200 Leute platz finden! Wir hatten auch mit unseren verbleibenden acht Personen (vier + vier) um diese Zeit abgemacht (drei Frauen sind bereits gestern verreist!). Innert kurzer Zeit mussten wir Schlange stehen beim Ausschöpfen. Kaum hatten wir uns ‚en Guete‘ gewünscht, ging schon das Gerücht herum, dass alle Leute am Dessertbuffet die feinsten und süssesten Kuchen und Törtchen für sich beanspruchten, es kam zu einem Run aufs kalte Buffet, ein Gedränge, um ja nichts zu verpassen! Unsere Frauen konnten auch nicht sitzen bleiben!SONY DSCDer nächste Halt war in Bordschomi, im ehemaligen Sommerschloss der Romanows, das jetzt Palace Hotel**** heisst, und das beste Spa-Hotel in der Stadt ist, mit Innen- und Aussenschwimmbad. Das Dinner Buffet war ab 19.00 Uhr angesagt in einem riesigem Essaal, wo über 200 Leute platz finden! Wir hatten auch mit unseren verbleibenden acht Personen (vier + vier) um diese Zeit abgemacht (drei Frauen sind bereits gestern verreist!). Innert kurzer Zeit mussten wir Schlange stehen beim Ausschöpfen. Kaum hatten wir uns ‚en Guete‘ gewünscht, ging schon das Gerücht herum, dass alle Leute am Dessertbuffet die feinsten und süssesten Kuchen und Törtchen für sich beanspruchten, es kam zu einem Run aufs kalte Buffet, ein Gedränge, um ja nichts zu verpassen! Unsere Frauen konnten auch nicht sitzen bleiben!


Wir besuchten in Achalziche das Rabati Castel, eine Festungsanlage, die von den Russen während der Schewardnadse-Zeit für über eine Milliarde in Stand gestellt wurde. Anschliessend das Höhlendorf Wardzia, komplett mit Kirche (betriebsbereit!), Laden und Ställen. Das Dorf wurde im 12. Jahrhundert unter George III gegründet, und wenig später von der weitbekannten Königin Tamar zum Kloster umfunktioniert.

Armenien


Gjumri liegt an der Grenze zur Türkei und ist die zweitgrösste Stadt Armeniens. Nach einer Stadtrundfahrt mit einem einheimischen Guide, der uns in einem ‹British slang› langsam, deutlich und mit Herzblut die Stadt erklärte, landeten wir im HOTEL GYUMRI in einen ruhigen Viertel.
Unterwegs zu einen dreitägigen Aufenthalt in der Hauptstadt Jerewan (1.2 Mio Einwohner) besuchten wir eine hochmoderne Weinfabrik. Inmitten einer hügeligen Landschaft hat ein armenischstämmiger Milliardär 2008 diese Fabrik gebaut, inklusive vollautomatische Flaschenabfüllmaschinen und Etikettierung. Gleichzeitig hat er ringsum 30‘000 junge Rebstöcke gepflanzt, deren Ernte er zwei bis drei Jahre später selber verarbeiten konnte. Und seit ein paar Jahren probiert er mit diesem Wein der ganzen Welt Konkurrenz zu machen. www.ArmAsWines.com.

Auch gibt es dort ein Restaurant, wo er versucht, den vielen Touristen auf passende Weise (auf europäischem Niveau) das Weintrinken beizubringen, grosse Lagerhallen mit unterschiedlichen Temperaturen und riesige Silos mit Eichenfässern. Wir sind hier schliesslich im Ursprungsland des Weins, wie uns der Guide versicherte. Denn als Noah vor über 6000 Jahren der Arche entstieg, pflanzte er als erstes eine Weinrebe.

Armenien ist zwar ärmer als Georgien, hat aber eine viel
reichere
und spannendere Kultur – vor allem von der Türkischen aber
auch von Iranischer Seite her – und war vor 1000 Jahren etwa zehn
Mal grösser als heute! (das Osmanische Reich). Sie sind hier auch
weniger orthodox als viel mehr Katholisch, allerdings in der
Apostolischen Richtung. Hier hat vor bald 2000 Jahren der Apostel
Bartholomäus seine Zelte aufgeschlagen, um seines Meisters Lehre zu
verbreiten, kurzum: ein paradiesisches Land mit einem Biblischen Berg
(ARARAT!), wo man den Weihnachtsbaum mit blühenden Rosen zu
schmücken vermag.
„Voller Begierde sah ich auf den biblischen
Berg,
erblickte im Geist die Arche vor mir,
wie sie an
der Spitze anliegt
mit der Hoffnung auf Erneuerung und Leben,
sah den Raben und die Tauben hervorfliegen –
Symbole der Bestrafung und Versöhnung.“
Puschkin

Wir besuchten das Zentrum dieser typisch Armenischen Glaubensgemeinschaft inkl. Kathedrale und Seminar. Sie verzichten hier auf den (unseren!) Papst (ihr Papst heisst Katholikos), auf die Kommunion und darauf, niederzuknien und zu beichten.
Der 24. April ist der jährliche Trauertag. Dann wird die Erinnerung (Trauma) an die 1‘500‘000 Toten vom Genozid vor inzwischen 103 Jahren wach gehalten. Dieses Jahr aber fand an diesem Tag zusätzlich eine Revolution statt. Nämlich: Das Armenische Volk, das schon seit zwei Wochen gegen die korrupten Politiker am demonstrieren war, und an diesem Tag frei hatte, ging am Vorabend, angeführt von Oppositionsführer Paschinjan „en bloc“ auf die Strasse. Als in der Nacht die grenzenlose Wut des gesamten Volkes auf den korrupten Regierungschef Sarkisjan, die wie Putin alle vier Jahre von Präsident zum Premier und um gekehrt wechselte, zu gross wurde, trat er zurück und machte damit den Trauertag zum Freudentag!

Sogar Bundesrat Couchepin hat hier zur Eröffnung 2015 ein Tännchen gepflanzt!
Inzwischen sind zwei Monate ins Land gegangen, Paschinjan ist Regierungschef, und das Volk ist guter Dinge, dass alles besser wird. Der Kampf gegen Korruption und den Schwarzmarkt ist voll entbrannt, und seither spülte allein schon die Bekämpfung der Steuerhinterziehung 42 Mio. in die Staatskasse! Das Parlament ist jetzt öffentlich zugänglich. Alle parlamentarischen Privilegien, Spesenrechnungen, Geschäftsautos wurden gestrichen, und spätestens nächsten Frühling sind Neuwahlen angesagt! Der Nationale Trauertag ist von nun an bereichert mit einem Neuanfang.



Am letzten Tag besuchten wir noch die CASCADE, einen Berggang mit acht 20 m langen Rolltreppen (up+down), die einen an unzähligen Kunstwerke vorbei führt. Charles Aznavour besass übrigens ganz oben auf dieser CASCADE eine Villa, die er inzwischen einer Stiftung übergeben hat.

Auch waren wir noch in einem Museum für alte Bücher. Da war auch eine ziemlich dicke bebilderte Bibel ausgestellt, die 1666 in Amsterdam auf Armenisch gedruckt wurde!
Bei steigenden Temperaturen war es Heute beinahe 40 Grad! Kaum zum Aushalten. Zum Glück waren unser Hotel-Kleinbus und die Museen klimatisiert.
Immer mehr werden die Partygänger aus dem Iran zum Problem hier in Jerewan! Sie kommen wegen fehlenden Kleidervorschriften und wegen des freien Umgangs mit Alkohol, der hier relativ billig ist. Sie machen die Nacht zum Tag und saufen oft bis zum Delirium! Sie treffen sich auf einem zentral gelegenen Platz mitten in der Stadt, zum Teil mit ihren Autos, und benehmen sich wie bei uns die Secondos nach einem gewonnen Fussball-Länderspiel. Die letzten zwei Wochen im März, wenn alle Iraner frei haben wegen dortigen Neujahrsfeiern, waren der letzte Höhepunkt bzw. Tiefpunkt dieser Entwicklung.
Unser Rückflug hatte zwei Stunden Verspätung, sodass wir den Anschluss Flug in Warschau verpassten und uns den ganzen Sonntag (zehn Stunden) auf dem Warschauer Flugplatz mit einem geschenkten Essensbon begnügen mussten, bis der nächste Flug nach Zürich ging.

Wake up
with a smile
Walk blissfully,
Care for others,
Speak
truthfully,
Listen patiently,
Love warmly,
Devote
entirely,
Appreciate what you have,
Admire the
nature,
Marvel like a child,
Gift joy,
Remember your
roots,
Don’t forget God
Open the doors of your soul,
Give
me your hand,
BE MY FRIEND!