Georgien & Armenien 2018

Nach anderthalb Stun­den Zug­fahrt zu zehnt nach Kloten und ein­er Stunde warten auf Bern­hard B., ein Neu­mit­glied, bemerk­te beim Eincheck­en plöt­zlich ein­er von uns (Ueli!), dass er zuhause irrtüm­licher­weise den falschen Pass eingesteckt hat­te, näm­lich den sein­er Frau. Nach kurz­er Aufre­gung und einem Tele­fonat mit sein­er Frau und der Über­legung, ob Sohne­mann den Pass innert zwei Stun­den mit dem Auto zum Flughafen brin­gen kön­nte, erk­lärte eine Mitar­bei­t­erin der LOT-Flugge­sellschaft sich bere­it, für Fr. 100.- einen Not-Pass anzufer­ti­gen!

Der zweistündi­ge Flug Rich­tung Nor­dosten über Prag hin­weg nach Warschau, und der dreistündi­ge Weit­er­flug Rich­tung Südosten nach Tiflis, Georgien, war ein­mal mehr müh­sam.

Tiflis — Saakaschwilis Erbe: ‹Pub­lic Ser­vice Hall› — Friedens­brücke – Neues Musik­the­ater

Georgien

Wir lan­de­ten am Son­ntag­mor­gen um 5 Uhr. Wir wur­den von Kate, der Präsi­dentin der FFI* Georgien und ihrem behin­derten Sohn Buka am Flug­platz abge­holt. Nach Währungswech­sel (Lari) stiegen wir in eine Art hochmod­er­nen Par­ty-Klein­bus mit vol­lau­toma­tis­chen Türen und Beleuch­tung und ver­dunkel­ten Fen­stern (dieser Bus wird uns zwei Wochen treu bleiben!). Das Gefährt ver­frachtete uns bei­de in ein Hochhausvier­tel von Tiflis, das aus der Per­e­stroi­ka-Zeit stammt, und neben dem die Baut­en der Ban­lieux von Paris ger­adezu gut ausse­hen. Allerd­ings kann man hier unbeschw­ert umherspazieren, ohne Angst, angepö­belt oder gar über­fall­en zu wer­den!

Ursu­la & Ms Under­cov­er

Zwar haben wir hier einen Lift mit Mün­za­u­tomat! Er ist aber so alt und eng, dass es sog­ar mir bange ums Herz wird beim Ein­steigen. Das erste von 10 Stock­w­erken muss man sowieso zu Fuss hin­auf­steigen, und oben angekom­men muss man ein halbes Stock­w­erk auf 0 absteigen!

Ich bin mal das Trep­pen­haus hin­unter gelaufen, aber viele Tritte haben unter­schiedliche Höhen, sodass ich mich voll konzen­tri­eren musste, um nicht ständig zu stolpern. Die Han­dläufe am Trep­pen­gelän­der sind lose, krumm und ros­tig, oder sie fehlen ganz ein­fach! Und über­all hangen pro­vi­sorisch zusam­mengeschraubte und sog­ar geknüpfte alte Tele­fon- und Elek­troleitun­gen. Die Wände sind verkratzt und ver­schmiert, aber trotz­dem füh­le ich mir hier in dieser Gegend wohl, die Leute sind fre­undlich.

Erd­bebengeschädigter Turm mit intak­tem Glock­en­spiel
Friedens­brücke von innen
Unser Par­ty-Klein­bus

Am drit­ten Tag fahren wir nach Gori, dem Geburt­sort Stal­ins, aber zuerst haben wir die alte Höh­len­be­wohn­er­stadt besucht, doch aus­gerech­net der Besuch im Stal­in­mu­se­um wurde lei­der wegen man­gel­n­dem Inter­esse abge­sagt! Das Gros der Georgi­er has­st die Russen, sie waren von 1920 bis 1990 unter Ihrem Ein­fluss! Stal­in scheint hier um eine Dimen­sion bru­taler und rück­sicht­slos­er als Hitler gewe­sen zu sein. Stal­in war Hitlers gross­es Vor­bild!

Wir besucht­en die prähis­torischen Höh­len­be­wohn­er, eth­nol­o­gis­che und Bal­len­berg-ähn­liche Museen und, verka­men dabei immer mehr zu “reg­u­lar tourists”. Wir standen mit unser­er zwölfköp­fi­gen Gruppe hin­ter ein­er Gruppe Süd­ko­re­an­er, und hin­ter uns warteten schon Deutsche, um unseren zukün­fti­gen Guide zu übernehmen. Zum Mit­tagessen gibt es meis­tens ein Gestürm darüber, wer was zahlt und wie viel Trinkgeld zu zahlen fäl­lig wäre.

Wir waren heute, am fün­ften Tag, im Kauka­sus, 160 km nördlich von Tiflis, über die Hauptverbindung mit Rus­s­land auf 2500 m, die vor 25 Jahren wieder eröffnet wor­den ist. Es gibt hier 4–5000er, ein­er davon gle­ich nebe­nan: Kas­bek, ein Grenzberg, 5034 m hoch!

Es gibt einen Berg,
der in die Wolken stösst
Und den kein Gefährte erre­icht.
Der Kas­bek,
der König des Kauka­sus,
Hüllt ein­sam sich in sein Pur­purkleid

Weil auf diesen höheren Bergen der Schnee später wegschmilzt, führen die Flüsse hier das ganze Jahr hin­durch genug Wass­er! Ent­lang dieser Fern­strasse gibt‘s darum auch viele River­raft­ing Camps.

Gestern Abend haben wir gese­hen wie die Schweiz gegen Ser­bi­en gewon­nen hat, und damit ziem­lich sich­er in die Viertel­fi­nals kommt, und heute haben wir einen freien Tag, um Tiflis auf eigene Faust zu erkun­den! Da habe ich beim Bus­fahren meine Porte­mon­naie ver­loren.

Am Nach­mit­tag während unser­er gemein­samen Sies­ta klopfte es plöt­zlich ziem­lich heftig an unsere Schlafz­im­mertür. Unsere Gast­ge­berin, die gle­ichzeit­ig Präsi­dentin und Finanzmin­is­terin der FFI ist, kam ganz aufgeregt ins Zim­mer mit ein­er Mus­lim Frau im Schlepp­tau, die uns ein paar Stun­den zuvor im Bus vom Zen­trum hier­her geholfen hat mit dem Tick­e­tau­to­mat­en, weil sie die einzige war, die Englisch kon­nte. Sie hat auf meinem Platz ein Porte­mon­naie gefun­den, als sie ein paar Stopps später ausstieg. Da wir sie im Bus gefragt hat­ten, wo wir aussteigen soll­ten und ihr deswe­gen unsere Adresse gezeigt hat­ten, wusste sie wo wir wohn­ten, und hat unten im Block gefragt, ob die wüssten wo die zwei Touris­ten zu find­en seien. Ich hat­te meinen Ver­lust noch gar nicht bemerkt! Es waren nur € 250.- und etwas örtlich­es Klein­geld drin, wovon ich 20% Find­er­lohn abgegeben habe! Da habe ich mal wieder sehr gross­es Glück gehabt⁉️

Kutais­si im West­en, 3000 Jahre alt, ist die zweit­grösste Stadt Georgiens (200.000 Ein­wohn­er!), und schiff­bar bis zum Schwarzen Meer, lag auf der Karawa­nen­route Hel­las — Indi­en und wurde im Jahre 978 Haupt­stadt. Es fol­gten 150 Jahre Wach­s­tum; z.B. war die grösste Kathe­drale des Lan­des bere­its 1003 fer­tig erbaut = schon 1015 Jahre voll in Betrieb! In der Stadt gibt es viele inter­es­sante ortho­doxe Klöster und Museen.

Ganz in der Nähe befind­et sich die Prometheus Höh­le. Ein zwei Kilo­me­ter langer Gang über einen schmalen, betonierten Fuss­weg mit vie­len auf und nieder gehen­den Trep­pen inmit­ten ganz­er Wälder von herunter hangen­den Sta­lak­titen und ihren emp­fan­gen­den Sta­lag­miten, bei hoher Luft­feuchtigkeit und far­biger Beleuch­tung, macht­en einen überirdis­chen Ein­druck. Durch gewaltig grosse und kleine Höhlen, ver­bun­den durch enge Durchgänge. Die let­zten 500 Meter ging‘s mit einem 20 Per­so­n­en Schiff bis zum Höh­le­nende.

Die Schlacht am kalten Buffet

Der näch­ste Halt war in Bor­d­scho­mi, im ehe­ma­li­gen Som­mer­schloss der Romanows, das jet­zt Palace Hotel**** heisst, und das beste Spa-Hotel in der Stadt ist, mit Innen- und Aussen­schwimm­bad. Das Din­ner Buf­fet war ab 19.00 Uhr ange­sagt in einem riesigem Essaal, wo über 200 Leute platz find­en! Wir hat­ten auch mit unseren verbleiben­den acht Per­so­n­en (vier + vier) um diese Zeit abgemacht (drei Frauen sind bere­its gestern ver­reist!). Innert kurz­er Zeit mussten wir Schlange ste­hen beim Auss­chöpfen. Kaum hat­ten wir uns ‚en Guete‘ gewün­scht, ging schon das Gerücht herum, dass alle Leute am Dessert­buf­fet die fein­sten und süss­es­ten Kuchen und Törtchen für sich beansprucht­en, es kam zu einem Run aufs kalte Buf­fet, ein Gedränge, um ja nichts zu ver­passen! Unsere Frauen kon­nten auch nicht sitzen bleiben!SONY DSCDer näch­ste Halt war in Bor­d­scho­mi, im ehe­ma­li­gen Som­mer­schloss der Romanows, das jet­zt Palace Hotel**** heisst, und das beste Spa-Hotel in der Stadt ist, mit Innen- und Aussen­schwimm­bad. Das Din­ner Buf­fet war ab 19.00 Uhr ange­sagt in einem riesigem Essaal, wo über 200 Leute platz find­en! Wir hat­ten auch mit unseren verbleiben­den acht Per­so­n­en (vier + vier) um diese Zeit abgemacht (drei Frauen sind bere­its gestern ver­reist!). Innert kurz­er Zeit mussten wir Schlange ste­hen beim Auss­chöpfen. Kaum hat­ten wir uns ‚en Guete‘ gewün­scht, ging schon das Gerücht herum, dass alle Leute am Dessert­buf­fet die fein­sten und süss­es­ten Kuchen und Törtchen für sich beansprucht­en, es kam zu einem Run aufs kalte Buf­fet, ein Gedränge, um ja nichts zu ver­passen! Unsere Frauen kon­nten auch nicht sitzen bleiben!

Wir besucht­en in Achalziche das Rabati Cas­tel, eine Fes­tungsan­lage, die von den Russen während der Scheward­nadse-Zeit für über eine Mil­liarde in Stand gestellt wurde. Anschliessend das Höh­len­dorf Wardzia, kom­plett mit Kirche (betrieb­s­bere­it!), Laden und Ställen. Das Dorf wurde im 12. Jahrhun­dert unter George III gegrün­det, und wenig später von der weit­bekan­nten Köni­gin Tamar zum Kloster umfunk­tion­iert.

Das Höh­len­dorf Wardzia

Armenien

Gjum­ri liegt an der Gren­ze zur Türkei und ist die zweit­grösste Stadt Arme­niens. Nach ein­er Stadtrund­fahrt mit einem ein­heimis­chen Guide, der uns in einem ‹British slang› langsam, deut­lich und mit Herzblut die Stadt erk­lärte, lan­de­ten wir im HOTEL GYUMRI in einen ruhi­gen Vier­tel.

Unter­wegs zu einen dre­itägi­gen Aufen­thalt in der Haupt­stadt Jere­wan (1.2 Mio Ein­wohn­er) besucht­en wir eine hochmod­erne Wein­fab­rik. Inmit­ten ein­er hügeli­gen Land­schaft hat ein armenis­chstäm­miger Mil­liardär 2008 diese Fab­rik gebaut, inklu­sive vol­lau­toma­tis­che Flaschen­abfüll­maschi­nen und Etiket­tierung. Gle­ichzeit­ig hat er ring­sum 30‘000 junge Reb­stöcke gepflanzt, deren Ernte er zwei bis drei Jahre später sel­ber ver­ar­beit­en kon­nte. Und seit ein paar Jahren pro­biert er mit diesem Wein der ganzen Welt Konkur­renz zu machen. www.ArmAsWines.com.

Auch gibt es dort ein Restau­rant, wo er ver­sucht, den vie­len Touris­ten auf passende Weise (auf europäis­chem Niveau) das Wein­trinken beizubrin­gen, grosse Lager­hallen mit unter­schiedlichen Tem­per­a­turen und riesige Silos mit Eichen­fässern. Wir sind hier schliesslich im Ursprungs­land des Weins, wie uns der Guide ver­sicherte. Denn als Noah vor über 6000 Jahren der Arche entstieg, pflanzte er als erstes eine Wein­rebe.

Arme­nien ist zwar ärmer als Georgien, hat aber eine viel
reichere und span­nen­dere Kul­tur – vor allem von der Türkischen aber auch von Iranis­ch­er Seite her – und war vor 1000 Jahren etwa zehn Mal gröss­er als heute! (das Osman­is­che Reich). Sie sind hier auch weniger ortho­dox als viel mehr Katholisch, allerd­ings in der Apos­tolis­chen Rich­tung. Hier hat vor bald 2000 Jahren der Apos­tel Bartholomäus seine Zelte aufgeschla­gen, um seines Meis­ters Lehre zu ver­bre­it­en, kurzum: ein paradiesis­ches Land mit einem Bib­lis­chen Berg (ARARAT!), wo man den Wei­h­nachts­baum mit blühen­den Rosen zu schmück­en ver­mag.

Voller Begierde sah ich auf den bib­lis­chen Berg,
erblick­te im Geist die Arche vor mir,
wie sie an der Spitze anliegt
mit der Hoff­nung auf Erneuerung und Leben,
sah den Raben und die Tauben her­vor­fliegen –

Sym­bole der Bestra­fung und Ver­söh­nung.“

Puschkin

Ararat (Bild: Maks Karochkin / CCL)

Wir besucht­en das Zen­trum dieser typ­isch Armenis­chen Glaubens­ge­mein­schaft inkl. Kathe­drale und Sem­i­nar. Sie verzicht­en hier auf den (unseren!) Papst (ihr Papst heisst Katho­likos), auf die Kom­mu­nion und darauf, niederzuknien und zu beicht­en.

Der 24. April ist der jährliche Trauertag. Dann wird die Erin­nerung (Trau­ma) an die 1‘500‘000 Toten vom Genozid vor inzwis­chen 103 Jahren wach gehal­ten. Dieses Jahr aber fand an diesem Tag zusät­zlich eine Rev­o­lu­tion statt. Näm­lich: Das Armenis­che Volk, das schon seit zwei Wochen gegen die kor­rupten Poli­tik­er am demon­stri­eren war, und an diesem Tag frei hat­te, ging am Vor­abend, ange­führt von Oppo­si­tions­führer Paschin­jan „en bloc“ auf die Strasse. Als in der Nacht die gren­zen­lose Wut des gesamten Volkes auf den kor­rupten Regierungschef Sark­is­jan, die wie Putin alle vier Jahre von Präsi­dent zum Pre­mier und um gekehrt wech­selte, zu gross wurde, trat er zurück und machte damit den Trauertag zum Freuden­tag!

Das Genozid Denkmal ‹Ziz­er­nakab­erd›
Sog­ar Bun­desrat Couchep­in hat hier zur Eröff­nung 2015 ein Tän­nchen gepflanzt!

Inzwis­chen sind zwei Monate ins Land gegan­gen, Paschin­jan ist Regierungschef, und das Volk ist guter Dinge, dass alles bess­er wird. Der Kampf gegen Kor­rup­tion und den Schwarz­markt ist voll ent­bran­nt, und sei­ther spülte allein schon die Bekämp­fung der Steuer­hin­terziehung 42 Mio. in die Staatskasse! Das Par­la­ment ist jet­zt öffentlich zugänglich. Alle par­la­men­tarischen Priv­i­legien, Spe­sen­rech­nun­gen, Geschäft­sautos wur­den gestrichen, und spätestens näch­sten Früh­ling sind Neuwahlen ange­sagt! Der Nationale Trauertag ist von nun an bere­ichert mit einem Neuan­fang.

Am let­zten Tag besucht­en wir noch die CASCADE, einen Berggang mit acht 20 m lan­gen Roll­trep­pen (up+down), die einen an unzäh­li­gen Kunst­werke vor­bei führt. Charles Aznavour besass übri­gens ganz oben auf dieser CASCADE eine Vil­la, die er inzwis­chen ein­er Stiftung übergeben hat.

Auch waren wir noch in einem Muse­um für alte Büch­er. Da war auch eine ziem­lich dicke bebilderte Bibel aus­gestellt, die 1666 in Ams­ter­dam auf Armenisch gedruckt wurde!

Bei steigen­den Tem­per­a­turen war es Heute beina­he 40 Grad! Kaum zum Aushal­ten. Zum Glück waren unser Hotel-Klein­bus und die Museen kli­ma­tisiert.

Immer mehr wer­den die Par­tygänger aus dem Iran zum Prob­lem hier in Jere­wan! Sie kom­men wegen fehlen­den Klei­der­vorschriften und wegen des freien Umgangs mit Alko­hol, der hier rel­a­tiv bil­lig ist. Sie machen die Nacht zum Tag und saufen oft bis zum Delir­i­um! Sie tre­f­fen sich auf einem zen­tral gele­ge­nen Platz mit­ten in der Stadt, zum Teil mit ihren Autos, und benehmen sich wie bei uns die Sec­on­dos nach einem gewon­nen Fuss­ball-Län­der­spiel. Die let­zten zwei Wochen im März, wenn alle Iran­er frei haben wegen dor­ti­gen Neu­jahrs­feiern, waren der let­zte Höhep­unkt bzw. Tief­punkt dieser Entwick­lung.

Unser Rück­flug hat­te zwei Stun­den Ver­spä­tung, sodass wir den Anschluss Flug in Warschau ver­passten und uns den ganzen Son­ntag (zehn Stun­den) auf dem Warschauer Flug­platz mit einem geschenk­ten Essens­bon beg­nü­gen mussten, bis der näch­ste Flug nach Zürich ging.

Wake up with a smile
Walk bliss­ful­ly,
Care for oth­ers,
Speak truth­ful­ly,
Lis­ten patient­ly,
Love warm­ly,
Devote entire­ly,
Appre­ci­ate what you have,
Admire the nature,
Mar­vel like a child,
Gift joy,
Remem­ber your roots,
Don’t for­get God
Open the doors of your soul,
Give me your hand,
BE MY FRIEND!