Auf Initiative von Bruder Bertus trafen wir von der Familie de Boer uns am 17. September 2021 um 17:00 am Hafen von Enkhuizen zum jährlichen Treff für ein Weekend auf dem Ijsselmeer am Rande West Frieslands. Wir treffen uns ja jedes Jahr irgendwo, z.B. letztes Jahr um die gleiche Zeit in t’Veld, 100 m von unserem Geburtshaus am ‘Zwarteweg’ entfernt. Weil es Sarah letztes Jahr so gut gefallen hat, als wir mit einem BMW Diesel Automat die 900 km dorthin fuhren, fragte ich sie als erste. Leider hatte sie schon abgemacht mit ihrer Arbeitsgruppe für eine Woche ins Tessin. Da habe ich Karin gefragt, zu der ich damals wieder eine lose Verbindung hatte. Sie hat ein Auto! Zuerst hat sie zugesagt, und nach einer Woche wieder abgesagt, und drei Tage später (2 Tage vor der Abreise!) hat sie mich zum Kaffee eingeladen und wieder zugesagt! Da sind wir gleich zum Bahnhof gegangen und haben zweimal einfach nach Enkhuizen gekauft! Denn Karins Auto fährt stets vom einen Sohn (Lorenz in Bern) zum anderen (Nik in Basel!) Woche für Woche!

Weil Verspätungen immer unerwartet kommen, waren wir drei Stunden zu früh, ergo pünktlich (nach 10 Stunden) in Enkhuizen und haben zwei Stunden lang die Altstadt und das Hafenviertel bewundert, die ich meines Wissens auch in meinen jungen wilden Jahren noch nie gesehen hatte, obwohl wir kaum 20 km davon entfernt wohnten! Um 19.00h. waren wir dann vor Ort im Hafen und trafen die erste Geschwister.
Der Kahn war größer als ich ahnte. Eine motorisierte 3‑Master mit Namen Mon Désir, ein ehemaliges Frachtschiff, in dessen Bauch sich Küche und Essraum und in der hinteren Hälfte 10 Kojen mit 20 Betten befanden. Der Kapitän war von Zürich, sprach gebrochen holländisch, und die Matrosin sprach gebrochen englisch. Wir, die Kinder von W. C. de Boer und Marie Wijnker, geboren und aufgewachsen in ‘t Veld, wie auch schon dessen Eltern und Grosseltern, inmitten von West Friesland, dem ersten und größten Polder Hollands. Wir, 10–2 (Cees+A3*) + 8 (Anhang) = 16 Personen, sollten als Maat (Knechte) funktionieren, u.a. die drei riesigen schweren Segel aufziehen und am Schluss wieder schön zusammenlegen fürs nächste Mal! Und noch weitere weitere Mithilfe wurde uns beigebracht! Für Essen und Trinken und deren Zubereitung sollten wir selber geradestehen, und das alles für € 200 pro Person mal 16 Personen minus 1 (Musiker) = € 3.000.-. Kein schlechter Deal!?

Weil der Wind auf der Rückfahrt nach Enkhuizen ziemlich stark blies, wurde Alie unwohl und seekrank, oder anders gesagt (Ijssel)meerkrank! Da wir im Zug keinen Proviant mitnehmen konnten, habe ich via Bertus beim Italiener ein Essen für 15 Personen reservieren lassen, was sehr gut geklappt hat.
Was nicht gut geklappt hat, war unser weiterer Ferienaufenthalt! Als ich verschiedene Geschwister fragte, ob sie nicht ein paar Tage Platz für uns hätten, sagte Karin, dass sie lieber nach Hause wollte, obwohl wir abgemacht hatten, mindestens eine Woche in Holland zu bleiben. Da sind wir halt mit Paul nach Alkmaar gefahren, haben gegenüber der Station geschlafen und haben am nächsten Tag zwei Billette nach A’dam gekauft, wo wir zwei Tickets nach Solothurn erwischten, die notabene €410.- kosteten! Da war im Vergleich die letztjährige fahrt im BMW mit Sarah sogar billiger, trotz der zwei Geschwindigkeitsübertretungen in Alkmaar!
Als wir dann Abends um 10 endlich ausgelaugt in Solothurn ausstiegen, lief Karin schnurgerade Richtung Bushaltestelle, in der entgegengesetzten Richtung von mir, und ich hinterher. Als ich dann rief «nicht so schnell!», reagierte sie nicht. Da habe ich ihr ihren Schlafsack, den ich die ganze Reise über gehütet hatte, nachgeworfen, rechtsumkehrt gemacht und bin nach Hause gelaufen. Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört!
Ich habe mich unterdessen in meine Zukunft gestürzt, und die nun überflüssige professionelle Küche der Shisha-Bar demontiert. Es ist das Lokal mit dem häufigsten Mieterwechsel (11Mal!). Nur den letzten Mietern haben wir gekündigt, Wegen zu viel Lärm! Die anderen 10 sind entweder Pleite gegangen oder haben kurz vorher gekündigt! Wir machen daraus nun zwei Lofts (Alterssitz!) für Pinia und für mich. Das Bewilligungverfahren läuft schon.
Während der Demontage hab ich mich am Schienbein bös verletzt! Ines hat’s verbunden, und ich habe einfach weiter gearbeitet, bis ich fertig war. Nach einer Woche und einer schlaflosen Nacht wegen meinem entzündeten Schienbein habe ich mich selber am Morgen gegen 6 Uhr als Notfall per Velo ins Spital eingeliefert. Dort hat man mich zu viert operiert mit örtlicher Betäubung. Um 13 Uhr bin ich dann wieder heimgefahren. Das ist nun 10 Tage her, mit vielen Ups und Downs, und Morgen, 18 Tage nach dem Unfall, werden endlich die Fäden entfernt!